Edwin und sein Magirus TE

Ein Bericht von:

Edwin Rademacher
Eine tolle Zeit waren dann die Neunziger. Mein Freund hatte sich mit einer Werkstatt selbständig gemacht und wir haben einen Magirus 170D14FL zur Sattelzugmaschine mit Ladekran umgebaut, die als Hofzugmaschine diente. Und an den Wochenenden bin ich mit aufgesatteltem Ausstellungscontainer zu Trucks- und Country Festivals gefahren. Im Container stellten wir Modelltrucks im Maßstab 1:87 aus.
Auch bei dem Truck Race am Nürburgring waren wir einige Male dabei. Unsere weiteste Reise ging zum Truck Treff in Speyer, zu der uns der Organisator Uli Totzki eingeladen hatte. Aber auch auf der IAA, in Kaunitz, bei der Intertruck Bremerhaven und vielen anderen Treffen waren wir als Teilnehmer dabei.
Im Jahr 1998 hat Iveco nicht an der IAA teilgenommen und dafür an fünf Orten in der Bundesrepublik eigene Ausstellungen organisiert. Da wir schon immer einen guten Kontakt zu Iveco hatten, waren wir mit dem 170er und dem Ausstellungscontainer in Hamburg und Berlin dabei.
Die Veranstaltung in Verbindung mit dem Starlight Express war ein unvergessenes Erlebnis, und auch die Rückfahrt von Berlin ist unvergessen, sie war ein wenig problematisch. Die Lichtmaschine des Magirus war vermutlich schon auf dem Hinweg ausgefallen, da auch die Ladekontrolllampe den Geist aufgegeben hatte, sodass wir erst Sonntagabend beim Start zur Rückfahrt das Problem erkannten.
Was tun?
Erst einmal alle nicht notwendigen Leuchtmittel demontieren und hoffen, dass, wenn nur das Standlicht eingeschaltet ist, die Batterien bis Bremen halten. Gott sei Dank, wir hatten einen Pkw aus Bremen dabei, der uns nach hinten absicherte. Zu der Zeit war die A2 Richtung Hannover mit vielen Baustellen versehen, die gelben Leitlinien auf den Asphalt konnte man mit Standlicht nur erahnen. Mit dem Handy wurde der Sohn meines Freundes beauftragt, in Bremen in die Firma zu fahren und aus dem Lager eine Lichtmaschine und vorsichtshalber auch einen Satz Batterien einzuladen und uns entgegen zu fahren. Treffpunkt war der Rasthof bei Braunschweig. Es kam, wie es kommen musste, die Lichtmaschine passte nicht. Also Batterien wechseln und weiter mit Standlicht nach Bremen. Trotz aller Widrigkeiten sind wir frühmorgens heil in Bremen angekommen. Unsere Fahrt haben wir dann umbenannt, in „Standlight Express“.
Nachdem ich mindestens zehn bis fünfzehn Jahre nach einem Magirus mit TE Fahrerhaus in einem guten Zustand gesucht habe, konnte ich 2019 ein Fahrzeug in den Niederlanden erwerben. Nach dem Besuch von Treffen in der näheren Umgebung kam die Pandemie und aus war es mit Lkw Oldtimer- treffen. Als wir eine Einladung von einem Berliner Oldtimerfreund zur Jahresabschlussfahrt erhielten, sind wir mit dem 130 PS leistenden Magirus vom Baujahr 1975 problemlos nach Berlin und wieder zurück gefahren.
Besagter Berliner Freund schwärmte uns von einem Treffen im bayrischen Eggenfelden vor, und somit stand unsere Entscheidung fest, wir fahren nach Eggenfelden. Aus beruflichen Gründen ging es am 4.August zunächst nach Berlin. Start war um 6:10 Uhr, die A1 Richtung Hamburg, im Kreuz Hamburg-Ost auf die A24 Richtung Berlin. Wir hatten uns auf dem Berliner Abzweig eingeordnet, als auf der Parallelspur Richtung Lübeck, ein Volvo N12 (Hauber) als Autotransporter gesichtet wurde. Da das Fahrzeug eine absolute Rarität ist, habe ich zum Gruß meine Rundumkennleuchten kurz eingeschaltet. Auch der Fahrer hat unseren Oldtimer bemerkt und per Lichthupe geantwortet. Die A24 ließ sich sehr gut fahren, oft war kein anderes Fahrzeug vor oder hinter uns zu sehen. So ging es zügig mit 82 - 85 km/h weiter, auch vor Baustellen gab es keinen nennenswerten Stau und so sind wir gut um 11:00 Uhr in Berlin angekommen.

Nach Erledigung meiner beruflichen Tätigkeiten ging es am 6. August um 5:30 Uhr los Richtung Süden. Über die A115, A10 auf die A9 bis zum Dreieck Bayrisch Vogtland, dort auf die A72 und A93 Richtung Regensburg, bei der Ausfahrt Altenstadt auf die B22 bis Cham und weiter auf der B20 bis Eggenfelden. Die Steigungen verlangten von Fahrzeug und Fahrer einiges ab, aber um 14:15 Uhr kamen wir in Eggenfelden an. Und freuten uns über die vielen Nutzfahrzeug-Oldtimer, die netten, freundlichen Gleichgesinnten und die guten Dieselgespräche. Am Samstag wurde erst ein sehr gutes Frühstück verzehrt, um danach eine spontane Ausfahrt zu unternehmen. Nach einigen Telefonaten und Diskussionen der Teilnehmer, stand das Ziel fest. Es ging zum Automobil – Park Auwärter in Pilsting. Es war ein gelungenes Erlebnis, Herr Auwärter persönlich führte und erklärte uns die Techniken der verschiedenen Bustypen.
Für uns, die wir noch nie dort waren, war es eine super Erfahrung. Wieder auf dem Gelände angekommen, wurde gegessen, getrunken und es ging mit den Benzin-, oh Verzeihung, mit den Diesel Gesprächen weiter.
Am Montag, dem 9. August um 7:45 Uhr traten wir den Heimweg nach Bremen an. Der Magirus fuhr als wenn er erst ein paar Jahre alt wäre und nicht schon seine 46 Jahre auf dem Buckel, äh Asphalt, verbracht hätte.



Auf der A14 Richtung Magdeburg fuhr ein Iveco S-Way auf die Autobahn, beim Überholen erkannte ich, dass es sich um das Sondermodell mit dem Ulmer Münster und der Magirus Beschriftung handelte, klar dass ich den Kollegen mit dem Horn Begrüßte, doch der Fahrer hatte wohl vergessen, in was für einem tollen Fahrzeug er sich befand und schaute nur verdutzt zu uns rüber. Um 18:00 Uhr konnten wir unseren „gelben Blitz“ in Bremen in die Halle fahren, wir waren begeistert und erschöpft von diesen unvergesslichen Tagen.
So haben wir eine Gesamtstrecke von sage und schreibe 1.830 km ohne einen Zwischenfall zurückgelegt.

Edwin unterwegs mit Iveco Turbo-Power!

Oder, der TurboStar der ein T-Range 220-36PT 6x2x4 war!

Mit einem Iveco T-Range 220-36PT 6x2x4 und natürlich mit einem Eaton-Fuller RTO Getriebe, bin ich eine Zeit lang für einen Bremer Schausteller gefahren. Der eine Geister-Achterbahn in Betrieb hatte. Das waren immer recht abenteuerliche Fahrten.
Da zwischen den Veranstaltungen nur wenig Zeit war, manchmal nur eine Woche, bedeutete das Stress pur. Wir haben mit zehn bis zwölf Sattelzugmaschinen ca. einhundertzwanzig Transporte durchgeführt. Das Oktoberfest in München endete zum Beispiel an einem Sonntagabend und am darauffolgenden Freitag musste die Bahn auf dem Bremer Freimarkt wieder stehen.
Der größte Schwertransport war ein mit fünf Achsen ausgestatteter Goldhofer Tieflader, der die Schienen der Geister-Achterbahn transportierte. Das Gesamtgewicht des Zuges lag je nach Zugmaschine zwischen 90 und 95t.
Anfang Juni 94 haben wir in Bamberg die Bahn abgebaut und sind Richtung Norden, um in Hannover auf dem Schützenfest die Bahn wieder aufzubauen. Bei diesen Touren fuhr ein etwas unerfahrener Kollege den Zug, der ihn bergab richtig laufen ließ. Gott sei Dank ist er gut in Hannover angekommen, aber durch das Gewicht und die Geschwindigkeiten wurde hinten links ein Radlager zerstört.

Noch mehr Turbo-Power von Iveco:

Baschti Liggefeld und sein Iveco TurboStar 190-42T!
Turbo-Power aus dem Magirus Iveco Museum EuroStar LD440E52T/P

Da ich gerade die letzte Tour aus Bamberg entladen hatte, sollte ich den Tieflader von Hannover nach Bremen in die Werkstatt bringen. Also den auf volle Länge ausgezogenen Tieflader zusammen schieben. Die Verriegelung arbeitete mit pneumatischen Federspeichern; war keine Pressluft auf den Federspeichern, waren die Verriegelungsbolzen ausgefahren und die Teleskop Einrichtung war gesichert. Der Chef der Bahn selbst betätigte das Handventil für die Luft, die Bolzen waren eingerastet. Zur Sicherheit hatte ich die Bremsen am Auflieger blockiert und zog den Zug etwas an. Es war alles in Ordnung, der Tieflader war verriegelt. Das letzte Stück nach Hause konnte beginnen. Als die zweite Ampel auf Grün schaltete, passierte es. Ich fuhr los, es war sehr viel Verkehr wegen eines Fußballspiels (das Stadion befindet sich direkt neben dem Schützenplatz), das auch gerade beendet wurde. Hatte alles im Blick, auch die Spiegel, bis das C-Netz Telefon sich bemerkbar machte. Ein kurzer Blick zum Telefon, und dann wieder in den Spiegel. Jetzt sofort eine Vollbremsung machen, da mein Zug immer länger wurde. Was war passiert? Das Handhebel-Luftventil war defekt und hatte so nach und nach die 7,35 bar auf die Federspeicher gegeben. Damit war die Verriegelung entriegelt, und der Tieflader lag in zwei Teilen auf der Fahrbahn. Zum Glück hat in dem Moment niemand mein Gesicht fotografiert, ich habe bestimmt ganz schön blöd drein geschaut. Ein Kran, der für den Aufbau der Bahn benötigt wurde, lud die beiden Teile auf zwei Chassis. Diese brachten den Tieflader so nach Bremen in die Werkstatt.
Seit dem Ereignis habe ich bei unbeladenen, teleskopierbaren Tiefladern immer einen Spanngurt von vorne nach hinten gespannt, damit sich so etwas nicht wiederholt. Wir haben später festgestellt, dass das Handhebelventil schon länger defekt war. Das Fahrzeug wurde immer beladen gefahren, so diente die Ladung als Sicherung und der Tieflader konnte nicht auseinander gezogen werden.